Schleiertanz

Der Schleiertanz ist ein altgermanischer Hochzeitsbrauch, der unterschiedlich ausgeführt wird. Doch trotz der vielen kleinen Unterschiede bleibt eine Bedingung gleich: Der Schleiertanz findet erst um Mitternacht am Hochzeitstag statt, denn dann ist die Braut keine Braut mehr – sondern Ehefrau. Aus diesem Grund wird im Rahmen des Schleiertanzes der Schleier abgelegt, geklaut oder gar zerrissen. Die bekanntesten drei Varianten des Schleiertanzes sehen wie folgt aus:

Das Brautpaar tanzt unter dem Schleier. Alle unverheirateten Frauen dürfen nun gemeinsam den Schleier klauen und reißen ihn in Stücke. Der Legende nach wird diejenige die nächste Braut sein, die das größte Stück ergattert hat. Bei einer Abwandlung dürfen alle Gäste den Schleier zerreissen. Derjenige, der das größte Stück hat, wird in der folgenden Zeit mit Glück gesegnet. In manchen Gegenden ist es Brauch, dass derjenige, der das größte Stück abgerissen hat, den Kinderwagen für das Erstgeborene bezahlen darf.

Beim Schleiertanz mit Münzen halten die Gäste den Schleier so über das Brautpaar, dass dieses darunter tanzen kann. Jetzt haben die Gäste die Chance, mit dem Brautpaar zu tanzen – aber nur, wenn sie vorher Geld in den Schleier werfen. Das so gesammelte Geld erhält natürlich das Brautpaar. Manchmal dürfen die Gäste nur mit der Ehefrau tanzen, manchmal mit beiden.

Der Schleiertanz mit Mütze und Haube: Bei dieser Variante des Schleiertanzes wird der Braut der Schleier abgenommen und durch eine Haube oder Zipfelmütze ersetzt. Der Bräutigam erhält zusätzlich eine Pfeife. Während das frisch vermählte Ehepaar zusammen tanzt, sagen die Gäste ein Gedicht auf. Anhand dieses Gedichtes wird das Ehepaar an seine neuen Pflichten erinnert und ebenfalls die besten Wünsche mit auf den Weg gegeben.

Wenn die Braut ihren Schleier für den Schleiertanz nicht opfern möchte, so darf sie diesen auch durch ein Tüll oder ein anderes dünnes Tuch ersetzen. Der Rest des Brauches wird dann wie oben beschrieben durchgeführt.

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